wartl hat geschrieben: Wenn sie das Alte Testament leben würde, wäre es nicht das bekannte Problem. Dogmen wären angesichts des Bilderverbots von Exodus 20, 4 obsolet.
Gerade Ratzinger ist ein signifikanter Exponent der hellenistischen Linie, die für die Verkündigung der frühchristlichen Überlieferung im damaligen Mainstream nützlich war, aber mit dem Verständnis des Juden Jesus so gut wie nichts mehr zu tun hat. Nützlich ist die hellenistische Linie aber auch den Interessen der Mächtigen - ein zum Gott überhöhter Jesus (was er sich aufgrund seiner jüdischen Sozialisation energisch verbeten hätte) ist politisch nicht so brisant wie ein "normaler" Mensch.
Offen gestanden: mir hängt das irgendwie schon zum Hals heraus.
Wer, bitte, der ein ganz klein bisschen naturwissenschaftlich gebildet ist, kann heute noch glauben, dass die Bibel "Gottes Wort" sein sollte?
Wer kann heute so blind sein, nicht zu erkennen, dass "Gott" eine Erfindung des Menschen ist?
Wer kann heute noch glauben - oder glauben zu wissen - dass es "Gott" in der Form gibt, wie es die Kirchen - egal welche - immer noch "weismachen wollen"?
Darum geht es - für mich - schon lange nicht mehr. Was aber bleibt - unterm Strich - für mich, ist: Glauben wollen ist etwas ursächlich Menschliches. Und vielleicht sogar das, was das "ethische Verständnis oder Gefühl" ausmacht.
Es ist irgendwie schräg und fast paradox. Aber irgenwie ist dieses "Glauben Wollen an das Gute (was immer das Gute sein kann)" vielleicht das Beste am Menschen.
Wenn ich etwas bedaure, ist es das: Unsere Kirchen haben es geschafft, durch ihre dummen, vertrottelten Dogmen, genau diesen Glauben auf ihrem Altar - der Macht und des Machterhaltes - zu opfern. Es werden nur ein paar Fanatiker über bleiben - auf allen Seiten. Und die Menschen werden sich vermutlich neuen Göttern zuwenden - was immer die auch sein werden.
Und ich bin mir noch nicht sicher, ob das der "bessere Weg" sein wird, bei allen Verbrechen, die die Kirchen begangen haben und immer noch begehen...
